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Der neue Pflege TÜV – Bewertung von Pflegeheimen und Altenheimen

Der neue Pflege TÜV hat die Bewertung von Pflegeheimen und Altenheimen in einem transparenten Verfahren zum Ziel. Ein neues Bewertungssystem für Pflegeheime soll die Pflegeverantwortung der Heime in den Fokus rücken, die Auswahl der passenden Einrichtung für Betroffene und betreuende Angehörige soll erleichtert werden. Eindeutig und aussagekräftig soll der neue Pflege-TÜV sein – so lautete der Arbeitsauftrag.  Doch wie kann Ihnen das neue neue Bewertungsystem bei der Auswahl helfen?

Zuerst einmal: warum gibt es ein neues Bewertungssystem?

Ein Pflegeheim für einen Angehörigen auszuwählen ist eine weitreichende und emotionale Entscheidung. Rund 13.000 pflegende Einrichtungen gibt es in Deutschland – und nicht immer ist das nächstgelegene auch die beste Wahl für den individuellen Fall. Bisher konnte ein Notensystem eine Klassifizierung der Einrichtungen bewerten. In der Praxis war das jedoch wenig aussagekräftig und für betreuende Angehörige oft nicht transparent genug.

Dabei sind ja der Sinn und Zweck des Pflege-TÜV, die Auswahl für die zukünftigen Heimbewohner und ihre Angehörigen zu erleichtern und mit einem sicheren Gefühl einen geliebten Menschen in einem Pflege- oder Altenheim gut unterzubringen. Das bisherige Notensystem sollte Anhaltspunkte geben, konnte jedoch nicht überzeugen, zumal die meisten Einrichtungen die Note 1 erhielten.

Der neue Pflege TÜV für die Bewertung von Pflegeheimen und Altenheimen soll das jetzt grundlegend ändern. Das neues Bewertungssystem für Pflegeheime setzt transparente Qualitätskriterien laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in den Vordergrund.

Welche Grundlagen hat der neue Pflege-TÜV?

Erstellt wurde das neue System in einer Zusammenarbeit von Prüfdiensten der Privaten Krankenversicherungen und dem MDK, dem Medizinischen Dienst der Krankenversorgung. Das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz, welches Anfang 2019 in Kraft trat, hat die Umsetzung des neuen Bewertungssystems gefordert.

Es werden nicht mehr Kennzahlen als Bewertungsgrundlage genommen, sondern die Qualität der Pflege gibt den Fokus. Vor allem soll besser zwischen Dokumentation und praktischer Pflege unterschieden werden. Der beste Bericht bringt nichts, wenn der Patient nicht gut versorgt wird.  Das Wohlbefinden der Bewohner soll mehr in den Vordergrund gestellt werden. So sollen bei Stichproben auch durch Gespräche mit den Bewohnern Erkenntnisse gewonnen werden, ob die Angaben der Realität entsprechen. Auch die Begleitung des pflegerischen Alltags in Teilbereichen durch Prüfer des MDK sollen mehr Transparenz bringen.

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Welches sind die Änderungen ab November 2019?

Der neue Pflege TÜV zur Bewertung von Pflegeheimen und Altenheimen steht auf drei Säulen, die halbjährlich überprüft werden.

1.) Interne Prüfung: Die Heime selbst müssen Prüfberichte über ihre Bewohner abgeben, die ein Gesamtbild aus verschiedenen Indikatoren der Versorgungsqualität liefern. Dabei geht es nicht um personelle Schlüssel, sondern rein um das Wohlbefinden und den Zustand der Bewohner.

2.) Externe Prüfung: Der MDK prüft anhand von 6 Stichproben, ob die Bewertung durch das Heim plausibel, nachvollziehbar, ehrlich und konsequent ermittelt wurde.

3.) Zusammenfassung: Die Ergebnisse der internen und externen Prüfung werden zusammen mit Kennzahlen-Angaben über das Pflegeheim veröffentlicht. Eine Note wird nicht mehr erstellt, die Einrichtungen untereinander werden verglichen.

Neue Indikatoren für die Qualität der Pflegeversorgung:

Ein neues Bewertungssystem für Pflegeheime kann natürlich die Pflegeverantwortung nicht revolutionieren. Aber sie stellt die interne Sensibilität des Personals und der Heimleitung auf eine neue Stufe.

Die Indikatoren, nach denen die Einrichtungen halbjährlich ihre Patienten und Bewohner beschreiben, sind:
– Mobilität und Selbstversorgung – wie mobil sind die Bewohner, wie groß ist ihr Anteil an der Eigenversorgung?
– Krankheits- und therapiebedingte Anforderungen – wie transparent erfolgt die Medikamentenvergabe, wie stark werden Schmerzen geschildert?
– Sozialleben – wie gut integrieren sich die Bewohner untereinander, wie ist die Situation der Unterstützung bei Alltagssituationen?
– Herausforderndes Verhalten – wie gut werden spezielle Bedürfnisse berücksichtigt, z.B. bei Demenzpatienten?
– Umgang mit Gefährdungssituationen – sind die Risiken im Alltag (z.B. Sturzgefahren) minimiert, gibt es genug Hilfsmittel?
– Ernährungszustand – gibt es Mangelzustände oder Untergewicht?
– Dekubitus-Messwerte – ist Dekubitus bekannt, wie werden verhindernde und lindernde Maßnahmen getroffen?
– Freiheitseinschränkung – werden Maßnahmen zur Fixation etc. regelmäßig auf aktuelle Notwendigkeit überprüft?

Die Bewertung anhand dieser Indikatoren wird durch die Pflegekraft durchgeführt, die den meisten Umgang mit dem Bewohner hat. Die Bewertung wird mit der Dokumentation des Patientenstammblatts an den Prüfungsausschuss übermittelt und pseudo-anonymisiert.

In den Stichproben durch externe Prüfer wird die Plausibilität der Angaben bei sechs Bewohnern überprüft. Die Prüfer führen dazu Gespräche mit den jeweiligen Bewohnern und begleiten einen Teil des pflegerischen Alltags.

Neues Bewertungssystem für Pflegeheime: Qualitätskriterien der Einrichtungen

Der neue Pflege TÜV für die Bewertung von Pflegeheimen und Altenheimen stützt sich nicht mehr auf Dokumentationsmängel oder besonders sauber geführte Patientenakten. Ein gut oder schlecht ausgefülltes Formular ist kein Indikator für die Pflegeverantwortung des Personals.

Daher stellen die Prüfer des MDKs eigene Qualitätskriterien auf, die das Management der Einrichtungen beurteilen, besonders im Hinblick auf den Umgang mit eventuell festgestellten Mängeln.

1.) Keine Auffälligkeiten, keine Defizite. Dieses Kriterium erhalten Einrichtungen, bei denen nichts zu bemängeln ist.
2.) Auffälligkeiten ohne zu erwartendes Risiko. Sind Bewohner z.B. mobiler als in der Bewertung angegeben, ist das zwar zu bemerken, aber natürlich kein Mangel.
3.) Mangel mit möglichen negativen Folgen. Mangelernährung von Bewohnern muss z.B. zeitnah begegnet werden – bei diesem Kriterium wird bewertet, wie kooperativ und ergebnisorientiert die Heime auf bemerkte Mängel reagieren.
4.) Mangel mit bestehenden negativen Folgen. Es werden Defizite bemerkt, die eindeutig im Verantwortungsbereich der Pflegeleitung liegen – Dekubitus, Unterernährung etc.

 

Veröffentlichung und Transparenz der Ergebnisse:

Ein neues Bewertungssystem für Pflegeheime bedeutet auch ein neues Punktesystem. Die Prüfungsergebnisse werden miteinander verglichen, und anhand einer Punkteskala von 1-5 kann abgelesen werden, ob das entsprechende Heim dem Bundesdurchschnitt von 3 entspricht, oder durch herausragende Ergebnisse einen Punktestand von 5 erreicht hat. Ein Benotungssystem ist das jedoch nicht.

Zur Transparenz der Ergebnisse zählt auch, dass der neue Pflege TÜV zur Bewertung von Pflegeheimen und Altenheimen auf individuelle Zustände Rücksicht nimmt: Kommt beispielsweise ein Bewohner mit einem Dekubitus aus dem Krankenhaus ins Heim, kann dieser Dekubitus natürlich nicht in die Bewertung der Pflegesituation miteinbezogen werden.

Zusätzlich zu den Pflegepunkten gibt es noch den Grünen Haken, der Einrichtungen kennzeichnet, die in besonderem Maße auf die Biografie ihrer Patienten eingehen – also zum Beispiel darauf Rücksicht nehmen, wenn ein Bewohner es gewohnt ist, bis zehn Uhr zu schlafen.

Stimmen der Kritiker

Das neue Bewertungssystem für Pflegeheime wird auch kritisiert. Vor allem fehlt nach Meinung von Fachleuten,  dass es keine klar erkennbaren K.O.-Kriterien gibt, also Mängelpunkte, die ein Heim auf den ersten Blick ausschließen. Eine Einrichtung, die weit unter dem Durchschnitt liegt, hat keine direkten Sanktionen zu fürchten.

Es sei für Verbraucher, also für potenzielle neue Bewohner oder deren Angehörige zudem nicht sofort klar ersichtlich, in welchem Bereich ein Heim besonders schlecht abschneide, und häufig sei bei der Auswahl eines Heimes Schnelligkeit geboten.

Außerdem sind die ersten Ergebnisse nicht vor dem Sommer 2020 zu erwarten – es wird befürchtet, dass der neue Pflege TÜV für die Bewertung von Pflegeheimen und Altenheimen durch zu hohen bürokratischen Aufwand verlangsamt oder sogar verfälscht wird.

Die Vorteile für Bewohner und betreuende Angehörige

Nach der Datenflut des vergangenen Notensystems ohne jegliche Gesamtvergleichswerte ist ein neues Bewertungssystem für Pflegeheime vor allem eines: Eine Entlastung. Denn die Entscheidung, in welcher Einrichtung geliebte Menschen gut versorgt werden, wird glaubwürdiger und deutlicher.

Der neue Pflege TÜV für die Bewertung von Pflegeheimen und Altenheimen lässt vor allem die Bewohner, so weit möglich, selbst zu Wort kommen. Und im Endeffekt sagt ein abwechslungsreicher Speiseplan oder eine gepflegte Grünanlage in einem Heim nichts darüber aus, wie es den Menschen dort wirklich geht. Gerade das Wohlbefinden und der körperliche Zustand sind das Wichtigste für die Menschen, die sich nicht mehr selbst versorgen können – und genau dieses versucht der neue Pflege-TÜV abzubilden.

Da die Daten halbjährlich erhoben werden und regelmäßig geprüft werden, können die Entscheidungsträger bei der Heimunterbringung ihre Auswahl auf der Grundlage aktueller Bewertungen treffen. Weitere Informationen, die die Entscheidung vereinfachen und überschaubarer machen können, finden Sie direkt beim MDK. Dort erhalten Sie Antworten und passende Ansprechpartner für die Fragen, die sich aus Ihrer individuellen Situation ergeben.

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