Nachholfaktor bei der Rente

Im Bezug des Nachholfaktors bei der Rente haben sich einige Änderungen ergeben. Aufgrund sinkender Löhne fiel die Rentenerhöhung 2021 im Westen ganz aus und im Osten trug die marginale Erhöhung der Bezüge nur unmerklich zur Verbesserung der finanziellen Situation von Ruheständlerinnen und Ruheständler bei.

Für 2022 können sich die Rentenempfängerinnen und Rentenempfänger vermutlich über ein sattes Plus freuen. Aber nun trübt die Wiedereinführung des Nachholfaktors die Freude bei den Begünstigten. Was das für Sie bedeutet, klärt der nachfolgende Artikel.

Jedes Jahr im Sommer erhalten die über 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner Post von der Deutschen Rentenversicherung. Diese setzt die Versorgungsempfängerinnen und Versorgungsempfänger über die Anpassung der Rente in Kenntnis. In den letzten Jahren sorgten die Schreiben der Bundesbehörde für Freude bei den Bezugsberechtigten. Meist wurde die Rente kräftig erhöht. Eine Ausnahme bildete das Jahr 2021. Im benannten Zeitraum stiegen die Bezüge westdeutscher Rentnerinnen und Rentner nicht. Im Osten wurde die Rente bloß um 0,72 % erhöht. Da sich die wirtschaftliche Situation in der Bundesrepublik und mit ihr auch die Löhne in der Folge stetig verbesserten, prognostizierten Experten für 2022 eine kräftige Rentenerhöhung. Die Bundesregierung unter Führung von Bundeskanzler Olaf Scholz macht den 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner allerdings einen Strich durch die Rechnung.

Pikant: Olaf Scholz war es, der 2018 als Finanzminsiter maßgeblich an der Aussetzung des Nacholfaktors beteiligt war. 4 Jahre später soll der Nachholfaktor bei der Rente nun erneut in Kraft treten.

Nachholfaktor bei der Rente: Große Koalition strebt an, diesen wieder einzuführen

Die Ampel-Koalition aus SPD, Grüne und FDP verständigte sich im Rahmen der Koalitionsgespräche auf die Wiedereinführung des Nachholfaktors bei der Rente. Dies hat durchaus Folgen für Ruheständlerinnen und Ruheständler. Auf Seite 66 des Koalitionsvertrages wird festgehalten, den Nachholfaktor bereits vor der Rentenanpassung im Jahr 2022 zu reaktivieren. Die gesetzliche Haltelinie gilt jedoch weiterhin. Die Politiker begründen ihr Vorhaben mit der Stärkung der Generationengerechtigkeit. Die Bundesregierung betont, dass sich Löhne und Renten im Gleichklang zu entwickeln haben. Da die Gehälter im vorherigen Bezugszeitraum anders als die Renten sanken, wäre die uneingeschränkte Rentenanpassung 2022 nicht verhältnismäßig.

Kopplung der Renten an die Lohnentwicklung

In Deutschland sind die Renten an die Lohnentwicklung gekoppelt. Das bedeutet, steigen die Löhne wird im Gegenzug auch die Altersrente angehoben. Im umgekehrten Fall findet diese Regel keine Anwendung. Fallen die Gehälter der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, wird die Rente nicht gekürzt. Dies war beispielsweise 2021 der Fall. Im ungünstigsten Fall fällt die Rentenerhöhung aus.

Was ist der Nachholfaktor bei der Rente und welche Bedeutung hat er für die Berechnung der Rente?

Vereinfacht ausgedrückt sorgt der Nachholfaktor bei der Rente dafür, dass die eigentlich notwendige Rentenkürzung in den Folgejahren nachgeholt wird. Da Rentenkürzungen per Gesetz ausgeschlossen sind, dient der Nachholfaktor der Schonung der Rentenkasse. Anstatt die Bezüge der Empfangsberechtigten zu verringern, fällt die Erhöhung in den Folgejahren lediglich geringer als vorgesehen aus. Der Nachholfaktor greift nicht vollumfänglich, sondern maximal bis zur Hälfte.

Beispiel:

Fallen die Löhne und Gehälter um 1 %, müssten die Renten um ebendiesen Betrag gekürzt werden. Da dies gesetzlich nicht vorgesehen ist, reduziert der Nachholfaktor die Rentenerhöhung im Folgejahr allenfalls um die Hälfte. Kann der Ausgleichsbedarf in einem Jahr nicht abgebaut werden, wirkt er auch im darauffolgenden Berechnungszeitraum.

Was der Nachholfaktor bei der Rente für Sie bedeutet

Ursprünglich wurde eine Rentenerhöhung im Westen um 5,2 % und im Osten um 5,9 % prognostiziert. Wird der Nachholfaktor bei der Rente nach der Aussetzung im Jahr 2018 erneut eingeführt, fällt die Steigerung geringer aus. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil von der SPD erwartet bei Aktivierung des Nachholfaktors die Verminderung des Rentenanstiegs um circa 0,8 Prozentpunkte. Ostdeutsche Rentnerinnen und Rentner können somit von einem Anstieg der Rente um 5,1 % ausgehen, während die Steigerung im Westen mutmaßlich 4,4 % beträgt.

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